Nachfragemacht des Handels

Positionen Wettbewerb

In einem Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 09. Februar 2025 sind einige Fakten zu kurz gekommen, andere verlangen Widerspruch.

Dabei geht es im Kern um fünf Punkte. Hierzu stellt der Markenverband fest:

1. Die Nachfragemacht
Der Markt im Lebensmitteleinzelhandel ist aus dem Gleichgewicht gekommen. Vier Händler vereinigen ca. 85 Prozent des Umsatzes im LEH auf sich. Es besteht die Gefahr, dass diese Macht insbesondere gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen ausgenutzt wird. Von solchen Fällen hören wir regelmäßig. Die Edeka ist dabei das in Deutschland größte Handelsunternehmen in dieser Gruppe der vier Lebensmitteleinzelhändler. Sie besitzt damit die größte Nachfragemacht als Einkäuferin für rund 11.000 Verkaufsstellen gegenüber Herstellern und Lieferanten. 

Edeka kann zurecht stolz sein auf ihren wirtschaftlichen Erfolg und die kaufmännischen Leistungen. Dazu haben die Markenhersteller mit ihren Investitionen in Innovationen und Werbung wesentlich beigetragen. Mit seinen Einzelhändlern und Discount-Vertriebsstätten (u.a. Netto) repräsentiert Edeka zwischen 35-45% des Umsatzes führender Hersteller. Dabei repräsentieren selbst große Hersteller nicht einmal 1% des Edeka-Umsatzes. Während Edeka auf beinahe jeden Hersteller ganz oder zeitweise und ohne größere Einbußen verzichten kann, ist die Auslistung bei der Edeka für Hersteller existenzbedrohend.

2. Die Eigenmarken
Markenhersteller können damit umgehen, dass Händler mehr und mehr auch Produzenten werden. Diese müssen sich dabei jedoch auch als faire Wettbewerber verhalten. Problematisch ist es für Markenartikelhersteller, wenn sie ihre Innovationen sechs Monate vor der Listung dem Handel vorstellen und diese Produktneuheit kurze Zeit später als Imitation im Regal des Händlers steht. Das verkürzt die Innovationsrendite der Markenhersteller beträchtlich. In einer DIW-Studie haben 24% der befragten Markenhersteller schon vor Jahren von solchen Erfahrungen berichtet. Diese Entwicklung hat sich weiter verschärft.

Dabei müssen diese Eigenmarken wesentliche Kosten, die für Markenprodukte entstehen, nicht tragen. Das gilt sowohl für Investitionen in die Produktentwicklung, die Kosten für Vertriebs- und Vermarktung sowie die Listungsgebühren, mit denen sich Hersteller den Zugang zum Händler erst erkaufen müssen.

3. Die Preise
Führende Marken bieten eine Produktqualität und Leistung, die mit Eigenmarken im Preiseinstieg nicht vergleichbar sind. Die Stiftung Warentestergebnisse belegen das regelmäßig. Zudem können Eigenmarken häufig mit geringen Aufschlägen kalkuliert werden, während der Handel den überwiegenden Anteil seiner Erlöse nur über etablierte Marken erzielen kann.

Allzu häufig sind Preise für vergleichbare Artikel (Marken und Eigenmarken) in den Geschäften des Lebensmittelhandels auf den Cent genau gleich. Ist das wirklich nur das Tankstellenphänomen? Die Vielzahl der Namen der Vertriebstypen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nur vier marktbeherrschende Unternehmen gibt, denen die verschiedenen Vertriebsschienen gehören. So betreibt Edeka unter den Logos Edeka, Neukauf, Aktiv, Marktkauf, Netto u.a. letztlich Wettbewerb mit sich selbst.

4. Die Umsatzrenditen
Ein Vergleich von Umsatzrenditen von Händlern und Herstellern ist ein gängiges Argumentationsmuster. Es ist aber grob irreführend. Fakt ist: Für den wirtschaftlichen Erfolg ist der Ertrag auf das eingesetzte Kapital ausschlaggebend. Und der erreicht bei vielen Händlern astronomische Höhen. Die Verzinsung des eingelegten Kapitals übersteigt diejenige der Hersteller um ein Vielfaches. Die veröffentlichten Zahlen integrierter Händler zeugen von dieser Stärke, die sich aus dem Geschäftsmodell modernen Handels erklärt. Noch einmal: Wir haben großen Respekt vor dem Erfolg von Handelsunternehmen wie Edeka. Dieser fußt jedoch zu einem beträchtlichen Teil auch auf dem Beitrag der Markenunternehmen, mit dem die Edeka ihre Gewinne erzielt.

5. Die sogenannte „Augenhöhe“
Die Rede ist schließlich von „Augenhöhe“ bei Jahresgesprächen. Das spiegelt die Realität leider oft nicht mehr wider. Insbesondere mittelständische Unternehmen berichten, dass stattdessen Verhandlungen über Handelskonditionen von oben herab geführt werden. Der Handel stellt maximale Forderungen und droht mit und vollzieht Auslistungen, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden.

Das Bundeskartellamt überprüft in diesem Zusammenhang derzeit, auf welche Weise Edeka für den Beginn der Zusammenarbeit mit Payback vor einigen Monaten versucht hat, Hersteller mit zusätzlichen Kosten zu belasten, ohne dass eine entsprechende faire Gegenleistung ausreichend erkennbar gewesen wäre.

Zudem hat die Monopolkommission in ihrem jüngsten Hauptgutachten nicht nur festgestellt, dass die Preisaufschläge im Handel in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Sie hat auch herausgearbeitet, dass die Preise im deutschen Lebensmitteleinzelhandel in keinem Zeitraum zurückgegangen sind. Und dies auch dann nicht, wenn die Hersteller die Einkaufspreise für den Handel gesenkt haben.

Die Markenwirtschaft sieht sich auch in Zukunft viel lieber als Partner des Handels als in wesentlichen Fragen entzweit. Denn dort, wo die Zusammenarbeit gut funktioniert, kann weiterhin Großes gelingen. Nicht nur zum Nutzen der Partner, sondern auch zum Vorteil der Verbraucherinnen und Verbraucher, die die Handelsunternehmen ebenso schätzen wie die Markenprodukte, die sie dort suchen und finden.

 

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